Lebensführung

Yoga gibt uns einige präzise Informationen darüber, wie wir unser Leben leben können. In diesem Artikel werden wir uns mit diesen Richtlinien befassen.

Yama und Niyama – Verhaltenskodex für Yama und Niyama

Das Gelübde des Yogi

Yama bedeutet Eindämmung und behandelt fünf Grundregeln für Ihr persönliches Leben. Diese Regeln wurden in den Yoga-Sutras, auch Patanjali genannt, niedergeschrieben.

Ahimsa: Ahimsa kann mit Gewaltlosigkeit übersetzt werden. Die/der ernsthafte Praktizierende des Yoga wird niemals ein Tier oder einen Menschen töten. Dies ist auch einer der Gründe, warum ein Yogi nur vegetarisches Essen isst. Der Sadhaka, der Aspirant, wird ermahnt, jedes Lebewesen mit Liebe und Respekt zu behandeln. Diese Regel ist nicht zu sehr übertrieben und man kann eine Mücke trotzdem töten, bevor sie einen sticht und möglicherweise eine Art Krankheit überträgt.

Satya: Wahrhaftigkeit. Sei anderen und dir selbst gegenüber ehrlich. Gib deine Mängel ohne zu zögern und ohne Scham zu. Bleib weg von Lügen und jeder Art von Täuschung.

Asetya: Als Praktizierende/r des Yoga darfst man/frau nicht stehlen und musst Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit in den Vordergrund stellen. Eifersucht, Gier, Neid und dergleichen müssen aus deinem Charakter verschwinden.

Brahmacaria: Zölibat. Die Erhaltung der sexuellen Energie ist von größter Bedeutung, wenn das Ziel sein soll, die Kundalini-Shakti zu erwecken. Wenn die/der Anwärter/in von einem Guru angenommen wird, ist es der/dem Praktizierenden oft nicht erlaubt, Geschlechtsverkehr zu haben. Insbesondere bei Männern gilt der Verlust der sexuellen Energie durch Ejakulation als verhängnisvoll und muss unter allen Umständen ausgeschlossen werden. Wenn der Yogi die sexuellen Energien beherrscht und die volle Kontrolle über sein Sperma hat, darf er natürlich Sex haben, denn dann kann er Liebe machen, ohne Energie zu verlieren.

Aparigraha: Diese Regel entspricht der Anforderung, eine aufrichtige Person zu sein. So wie das Gebot in der christlichen Bibel uns sagt „Du sollst weder das Haus deines Nächsten noch die Frau deines Nächsten begehren“, so soll im Yoga die/der Sadhaka, die/der Student/in, jede Gier in seiner Persönlichkeit beseitigen und nur das annehmen, was ihm das Leben gibt. Einige indische Philosophien haben dieses Gelübde in einer sehr extremen Form als völlige Besitzlosigkeit interpretiert. Yogis hingegen sehen in Besitz und Reichtum kein Hindernis für die spirituelle Verwirklichung , wenn man nicht daran gebunden ist und nicht danach strebt.

Niyama ist Sanskrit und bedeutet zügeln. Dies bedeutet, dass diese Lebensregeln dazu dienen sollen, die Menschen zur Selbstkontrolle zu ermutigen. Die fünf sind Regeln:

Shauca – Sauberkeit

Der Aspirant sollte täglich ein Bad nehmen oder duschen und sich um seinen Körper kümmern. Bade vor dem Üben. Stellen Sie sich vor, Sie bereiten den Tempel vor dem Gottesdienst vor. Dazu kommt die Praxis der Shat Karmas, die yogischen Reinigungsübungen zur inneren Reinigung, die auch auf der psychischen Ebene eine starke Wirkung haben! Außerdem muss man auf eine gesunde, reine Ernährung achten, negative Gedanken und schlechte Gewohnheiten beseitigen.

Samtosha – Sparsamkeit

Ein/e Yogapraktizierende/r sollte damit zufrieden sein, was ihm das Leben gegeben hat. Er, sie, sollte ruhig sein, durchs Leben gehen, ohne an Besitz oder einem guten Ruf zu hängen. Man sollte auch nicht zu sehr von seinen Mitmenschen abhängig werden.

Tapas – Askese

Tapas ist die Bereitschaft und die Fähigkeit, auf Dinge zu verzichten und bestimmte Anstrengungen zu unternehmen, um sein spirituelles Ziel zu erreichen. Durch die starke Hingabe an seine Aufgabe beginnt die/der Aspirant/in von innen heraus zu strahlen, daher das Wort Tapas, was Feuer oder Glut bedeutet. Askese hat im Yoga einen hohen Stellenwert und wird sehr geschätzt, aber nur so lange, wie sie die/den Praktizierende/n in seiner Absicht unterstützt und den Körper nicht unnötig schwächt oder gar schädigt.

Svadhyaya – Studie

Das Studium der heiligen Schriften des Yoga wird jeder/m Yogapraktizierender/m sehr ans Herz gelegt, um Grundkenntnisse über die Philosophie des Yoga zu erlangen. Neben der körperlichen Ausbildung sollte auch der Geist geschult werden. Dieses Wissen unterstützt die Praxis enorm und die/der Schüler/in taucht so immer tiefer in die Geheimnisse der alten Rishis ein. Es ist nicht das Ziel, ein Schulbuchwissenschaftler zu werden, aber Impulse von Außen können helfen, die Geheimnisse des Körpers zur richtigen Zeit zu entschlüsseln. Außerdem motiviert das Studium der alten Schriften dazu, sich intensiver mit der Praxis zu beschäftigen, um dem gewünschten Ziel, dem Erwecken der Kundalini, näher zu kommen.

Ishvara-Pranidhana – Hingabe an Gott
Hingabe und Liebe zu Gott sind die wichtigsten Eigenschaften, die ein/e Aspirant/in mitbringen muss. Die gesamte Yogapraxis basiert auf diesen beiden Säulen. Hingabe und totales Vertrauen in den Guru und in Gott sind unersetzliche Voraussetzungen für den Fortschritt auf dem Weg des Yoga. Dieses starke Vertrauen und Glaube, gibt dem Praktizierenden die notwendige Ausdauer, um schwierige Aufgaben zu meistern.

Die Hathayoga-Pradipika führt zum Vergleich diese zehn Yamas und zehn Niyamas an:

Yama:
Gewaltlosigkeit
Ehrlichkeit
Aufrichtigkeit
Geduld
Stärke
Mitgefühl
Glaubhaftigkeit
Mäßigkeit
Reinheit
Genügsamkeit


Niyama:
Enthaltsamkeit
Sparsamkeit an den Tag legen
Gläubigkeit
Mitgefühl
Hingabe an Gott
Studium der Schriften
Gehorsamkeit gegenüber dem Guru
Bescheidenheit
Ausdauer
Opferbereitschaft